0. Vorwort
Wir sind stets bemüht, unsere Schüler im gemeinsamen Unterricht durch Differenzierungsmaßnahmen zu fördern und zu fordern. Aber aufgrund der besonderen Schülerzusammensetzung (siehe unter Punkt 3) sind wir an Grenzen gestoßen, so dass wir mit den Möglichkeiten der inneren Differenzierung im Unterricht bestimmte Schülergruppen nicht mehr im notwendigen Umfang erreichen können. Für diese Schülergruppe haben wir ein entsprechendes Förderkonzept erarbeitet, das als Teil unseres Schulprogramms evaluiert und weiterentwickelt wird.
1. Organisatorisches
2. Über unseren Unterricht
Wir sind eine Schule, die neben dem Frontalunterricht auch mit modernen Unterrichtsformen arbeitet. Das sind projektorientiertes Arbeiten, fächerüber-greifendes Lernen sowie offene Unterrichtsformen ( Wochenplanarbeit, Werkstatt-arbeit, Stationslernen, Freiarbeit).
Die Schüler der 2., 3. und 4. Klassen werden klassenübergreifend innerhalb ihres Jahrganges im Übenden Lernen in Lerngruppen zusammengefasst (der Jahrgang 2 auch in Musik).
In den Arbeitsgemeinschaften für die 3. und 4. Klassen sowie in der jährlich stattfindenden Projektwoche werden sowohl klassen-als auch jahrgangs-übergreifende Gruppen gebildet.
3. Über unsere Schüler
In den letzten Jahren ist die Zahl der Schulanfänger an unserer Grundschule, die Probleme in den Bereichen des Lernens, der Sprache und im Verhalten haben, gestiegen. Dieser Problematik können wir allein durch innere Differenzierung nicht ausreichend gerecht werden. Deshalb ist eine entsprechende Förderung so früh wie möglich vor Ort sinnvoll und wichtig. Die Möglichkeit, durch Förderunterricht, Maßnahmen schnell ergreifen zu können, statt lange abzuwarten, erspart sicherlich vielen „betroffenen“ Schülern Unzufriedenheit und Frust.
4. Diese Fördermaßnahmen laufen bei uns schon
Der Förderunterricht Deutsch als Zweitsprache findet im Moment nur im 1. Schulhalbjahr statt, weil diese Stunden im 2. Halbjahr in die Sprachfördermaßnahmen für die Schulanfänger 2004/05 einfließen.
Fördern von lernschwachen Schülern
So haben wir schon im Schuljahr 2003/2004 mit einem individuellen Förderkonzept reagiert,
4.1. Unsere Ziele
- Deutsch als Zweitsprache
Die gezielte Sprachförderung in Kleingruppen sollte in jeder Klassenstufe durchgängig im 1. und 2. Schulhalbjahr gewährleistet sein, damit der Lernerfolg gesichert ist.
- Erhöhung der sozial-emotionalen Kompetenzen - Lernprojekt : Faustlos
Die Kinder trainieren in wöchentlichen Zusammenkünften in spielerischer Auseinandersetzung den Umgang mit Konflikten und entwickeln ihre sozialen Kompetenzen. Dieses Projekt startet bei uns zum kommenden Schuljahr schwerpunktmäßig mit den drei ersten Klassen unter wissenschaftlicher Begleitung der Universität Hildesheim. Damit dieses Projekt optimal eingeführt werden kann, wären 2 Stunden wöchentlich für ein Jahr wünschenswert.
- Förderung von lernschwachen SchülerInnen:
SchülerInnen mit Schwierigkeiten in Mathematik und Deutsch werden in jeweils für sie geeigneten Kursen klassenübergreifend speziell gefördert.
- Besonders begabte und besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler
Dieses Förderangebot soll den Motivationslagen, den Lernstrategien, sowie den Denkmustern dieser Schüler Rechnung tragen.
- Förderung der Ich-, Sach- und Sozialkompetenz durch die Psychomotorik
SchülerInnen, die bewegungsmotorische Defizite aufweisen, sollen in ihrer Körpererfahrung, Raum-und Zeiterfahrung, Materialerfahrung und damit insgesamt in ihrer Sozialerfahrung gefördert werden.
Das ist für uns ein mittelfristiges Ziel, weil z.Z, niemand über die entsprechende Qualifikation verfügt. Zwei Kolleginnen möchten so bald wie möglich an einem Fortbildungskurs für Sportförderunterricht teilnehmen.
5. Unser Förderkonzept
5.1. Deutsch als Zweitsprache
Deutsch ist in der Grundschule Kommunikation- und Unterrichtssprache in allen Fächern und der Zweitspracherwerb ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Laufbahn und gesellschaftliche Integration.
Der Zweitspracherwerb beginnt in der Regel schon im Vorschulalter und sollte kontinuierlich in der Grundschule gefördert werden.
Dieser Unterricht sollte dem Prinzip des integrativen Sprachunterricht folgen, das bedeutet:
- Wortschatzerweiterung ( Wörterbücher, Lexika, Spiele, Computerlernspiele, Bildkarten)
- Hören und Hörverstehen ( Kassetten , Vorlesegeschichten, Hörspiele)
- Sprechen und Sprechen üben ( Erzählboxen, Bücher, Lieder, Reime, Rollenspiele)
- Lesen und Leseverstehen ( Kinderbücher, Gedichte)
- Schreiben und Schreiben üben ( Freies Schreiben, Bildgeschichten)
- Grammatik entdecken (Lernspiele, Karteisystem, Lernplakate, Lexika)
Im Klassenverband ist die gezielte Sprachförderung einzelner Schüler nicht in diesem Umfang möglich, daher sollten Lernangebote in verschiedenen Formen der Gruppenarbeit bis hin zum individuellen Lernen gegeben sein. In kleineren Gruppen haben die Schüler eher die Möglichkeit sprachlich aktiv zu sein und ihren aktiven Wortschatz ständig zu erweitern.
5.2. Erhöhung der sozial-emotionalen Kompetenzen
Lernprojekt : Faustlos –
Faustlos ist ein für die Grundschule entwickeltes Curriculum zur Prävention aggressiven Verhaltens.
Faustlos vermittelt alters- und entwicklungsadäquate Grundlagen und Fähigkeiten zum Erlernen sozialer Kompetenzen in den Bereichen :
Empathieförderung:
Schüler lernen, Gefühle anderer Menschen zu erkennen, fremde Sichtweisen einzunehmen und emotional auf andere einzugehen
Impulskontrolle:
Sie lernen, eine Aktivität zu unterbrechen, um über ein Problem nachzudenken, lautes Denken,
Verhaltensfertigkeiten zum konstruktiven Umgang mit Impulsen
Umgang mit Ärger und Wut:
Sie lernen, Ärger und Wut zu beherrschen, sich selbst zu Bestärken, zu beruhigen, um dann in geübten Schritten eine Lösung zu finden.
Faustlos ist die deutsche Version des amerikanischen Programms „Second Step“ das vom Committee for Children in Seattle entwickelt wurde und seit zehn Jahren erfolgreich in den USA Anwendung findet. Das Curriculum wurde von Prof. Dr.med. Manfred Cierpka (Direktor der Abteilung Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie der Universität Heidelberg) und seinen Mitarbeitern übersetzt und für den deutschsprachigen Kulturraum angepasst. Seit 1994 wird Faustlos im ständigen Feedbackprozess mit den Lehrkräften überarbeitet und inzwischen in zahlreichen Grundschulen bundesweit eingesetzt.
Die Kinder trainieren in wöchentlichen Zusammenkünften in spielerischer Auseinandersetzung den Umgang mit Konflikten und entwickeln ihre sozialen Kompetenzen. Das Projekt ist ein Beitrag zum angemessenen Verstehen anderer Positionen, der Verständigungsfähigkeit und der Gewaltfreiheit
Faustlos ist mehr als Prävention, da allgemeine soziale Verhaltensfertigkeiten gelernt und geübt werden.
Faustlos verstärkt die erzielten Verhaltensänderungen durch seine kontinuierliche Anwendung und die Betonung des Tranfers in den Alltag.
Weitere Einzelziele für die Erweiterung der sozial-emotionalen Kompetenzen:
Hilfsbereitschaft
Anderen helfen, mit anderen etwas teilen, anderen etwas schenken, sich für einen anderen einsetzen, füreinander einstehen;
Friedfertigkeit
die Würde des Mitmenschen respektieren, das Recht des Mitmenschen auf körperliche und seelische Unversehrtheit anerkennen;
Kooperationsfähigkeit
mit anderen zusammenarbeiten, mit anderen spielen, Vorhaben gemeinsam planen und durchführen, Konkurrenzgefühle und Neid überwinden;
Selbstbeherrschung
Gefühle differenziert äußern, Gefühle ohne Zorn äußern, Ärger bewältigen, Bedürfnisspanne aushalten;
soziale Sensibilität
sich in andere einfühle (Empathie), Mitgefühl zeigen, Rücksicht nehmen, Anteil nehmen;
Konfliktfähigkeit
verständlich streiten, Kritik konstruktiv äußern, Streit schlichten, Kompromisse eingehen, verhandeln
Kommunikationsfähigkeit
verständlich reden, aktiv zuhören, Ich-Botschaften senden, Rückmeldung geben und annehmen, fragen, Bitten äußern;
Toleranz
eigenen Vorurteile erkennen und abbauen, die Verschiedenartigkeit der Menschen respektieren;
Verantwortungsbewusstsein
Aufgaben und Pflichten übernehmen, Lebensrollen erproben;
Höflichkeit
grüßen, Danke sagen, um Erlaubnis fragen, sich entschuldigen;
5.3. Förderung von lernschwachen Schülern
um Defizite einzelner Schüler aufzufangen.
Dies sind z.B. für das 2. Schuljahr:
im Fach Deutsch:
- fehlende Kenntnisse von Buchstaben (optisch/ akustisch/schriftlich)
- nicht durchdrungener Prozess des Zusammenschleifens
- Probleme beim sinnentnehmenden Lesen
- Schwierigkeiten in der Schreibmotorik und geringe Schreibmotivation
im Fach Mathematik
- war das vorrangige Ziel die grundlegende Bildung des Zahlbegriffes zu fördern sowie die Veranschaulichung von Addition und Subtraktion.
SchülerInnen mit Schwierigkeiten in Mathematik und Deutsch wurden in jeweils für sie geeigneten Kursen (=Übendes Lernen) klassenübergreifend speziell gefördert. Die SchülerInnen konnten in den jeweiligen Gruppen gute Lernfortschritte erzielen. So gingen sie motivierter und selbstbewusster in den Klassenverband zurück. Auch die Eltern signalisierten Zufriedenheit.
Wichtig war uns bei diesem Förderkonzept die Durchlässigkeit, so dass SchülerInnen mit Problemen in mehreren Lernfeldern ihre Defizite reduzieren konnten.
Da sich dieses Konzept an unserer Schule im ersten Halbjahr bewährt hat, möchten wir es fortführen und ausbauen.
Derzeitig erteilen wir 1 Wochenstunde nach diesem Förderkonzept. Effektiver wäre eine Aufstockung nach Bedarf, bzw. eine Verkleinerung der Gruppen durch vermehrte Lehrerstunden.
6.4. Besonders begabte und besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler
Ein Förderkurs für besonders begabte und besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler wäre ein gutes Ergänzungsangebot, welches ein verbreiterndes Lernen, sowie vertiefende Gespräche zu speziellen Themen, Inhalten und Unterrichtsschwerpunkten der Grundschule darstellen würde (Enrichment).
Gleichzeitig würde ein solches Förderangebot den Motivationslagen, den Lernstrategien, sowie den Denkmustern dieser Schüler Rechnung tragen.
Besonders begabte und besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler brauchen zwar weniger Aufsicht, was das Lernen betrifft, aber auf den Rat und die konzentrierte Aufmerksamkeit des Lehrers sind sie genauso angewiesen wie jedes andere Kind. Es reicht nicht aus, diese Schülerinnen und Schüler ausschließlich schwerere Aufgaben zu den Unterrichtsthemen bearbeiten zu lassen.
Sinnvoll wäre eine klassenübergreifende Gruppenbildung aus den 3. und 4. Klassen.
Folgende Punkte werden berücksichtigt, wenn ein solches Förderangebot besteht:
- anspruchsvolles (erweitertes, vertieftes) Angebot, Differenzierung, Vermeidung von
Leerlauf und unnötigen Wiederholungen, z. B.:
- interessenbezogene, komplexere Sachaufgaben (Sachunterricht)
- Recherchen zu speziellen Themen Im Internet, im Lexikon, in Büchern (Sach-
unterricht)
- Knobelaufgaben, eigene Lösungswege, eigene Textaufgaben (Mathe)
- intensive Auseinandersetzung mit einem Kinderbuch, Schreibkonferenzen,
kreatives Schreiben, Gedichtewerkstatt, Theater (Deutsch)
- Fortführung des schuleigenen Medienprojektes: „Wir stellen uns und unseren Ort
vor“
- Teilnahme an Wettbewerben
- Erstellen von Unterrichtsmaterialien und Lernprogramme (z.B. Kreuzworträtsel, multiple choice, Quiz mit „Hot Potatoes“ oder „Mediator“
- Ermöglichen von Kontakten mit intellektuellen Peers (entwicklungsgleichen
Kindern):
- Im Rahmen der Gruppen-, Partner- und Projektarbeit werden Leistungen und
individuelle Interessen/Fähigkeiten berücksichtigt und gleichzeitig das soziale
Lernen gefördert.
- Durch das Vorstellen der individuell und kooperativ erarbeiteten Ergebnisse und
im Akzeptieren des individuellen Leistungsvermögens kommt das sozial-
integrative Element zum Tragen.
- Ermutigung zur ausführlichen mündlichen und schriftlichen Darstellung von
Gedanken und Sachverhalten:
- schriftliche Präsentation: Wandzeitung, Berichte in der schuleigenen Homepage,
Auswertungen von Interviews
- mündliche Präsentation: Multiplikatorensystem, Vorträge, Darbietungen
6.5. Förderung der Ich-, Sach- und Sozialkompetenz durch die Psychomotorik
An der GS Maschen gibt es vermehrt Schüler, die bewegungsmotorische Defizite aufweisen. Da diese Bewegungsdefizite häufig mit Verhaltensauffälligkeiten und Lernschwächen in Verbindung zu bringen sind, sehen wir an unserer Schule einen gesonderten psychomotorischen Förderbedarf, denn eine Integration dieser Förderung in den regulären Schulsport würde eine Unterforderung der bewegungsstarken Schüler bedeuten.
In unseren psychomotorischen Förderstunden setzen wir uns folgende Ziele mit folgenden Möglichkeiten ihrer Umsetzung:
- Die Schüler sollen lernen, allein und gemeinsam handelnd tätig zu sein, ihre eigenen Grenzen und Vorstellungen einzubringen, sich von anderen Kindern abzugrenzen und sich in sie hineinzuversetzen, Nähe und Distanz zu regulieren, mit Konflikten umzugehen und kooperieren zu lernen (Sozialerfahrung).
- Verschiedene Spiele, die Berührungsängste abbauen, gemeinsames Handeln fördern (z.B. Abenteuer- und Erlebnissport) und ein größeres Vertrauen zueinander herstellen
- Die SchülerInnen sollen den eigenen Körper besser wahrnehmen, ihn kennen- und akzeptieren lernen, sich entspannen können (Körpererfahrung).
- Vielseitige Bewegungslandschaften, die alle Erfahrungsfelder berücksichtigen, Sinneserfahrungen ermöglichen sowie die Reflektion mit den Schülern über ihre gesammelten Körpererfahrungen
- Die Schüler sollen das eigene Wahrnehmungs- und Bewegungsrepertoire erweitern, um sicherer handelnd Probleme zu lösen, kreativ mit Material umgehen und es miteinander kombinieren können (Materialerfahrung).
- Vielseitige Verwendung von Alltagsmaterialien und Sportgeräten
- Die Schüler sollen in ihrem Bewegungsrhythmus und ihrer Raumorientierung geschult werden (Raum-, Zeiterfahrung).
- Bewegung nach Musik, Bewegungsparcours mit Hindernissen
Die Erfahrungsbereiche können nicht getrennt voneinander behandelt werden, sondern greifen ineinander über.
Durch die Gesamtheit der Erfahrungen werden die Ich-, Sach- und Sozialkompetenz gefördert. |